Schulöffnung ohne einheitliche Standards ist verantwortungslos – Abschlüsse aufgrund von Vorleistungen ermöglichen

Gelsenkirchener Abiturienten suchen Hilfe bei Grünen

Zu der Ankündigung der schwarz-gelben Landesregierung, den teilweisen Schulbetrieb ab 23.04.2020 zu verwirklichen, erklärt der OB-Kandidat und bildungspolitische Sprecher der Grünen Ratsfraktion Gelsenkirchen, David Fischer:

„Armin Laschet hat mit seinen frühzeitigen Forderungen nach Lockerungen der Corona-bedingten Beschränkungen bereits viel Vertrauen verspielt und die Menschen im Land verunsichert. Seine Schulministerin Yvonne Gebauer und sein Familienminister und Vize Joachim Stamp haben dieses Wettrennen noch mitbefeuert. Dass der Ministerpräsident und seine Bildungsministerin, ohne die notwendigen Voraussetzungen geschaffen zu haben, die Öffnung der Schulen nur vier Tage später schon einmal verkünden, führt zu weiterer Verunsicherung.
Die Schulen ohne einheitliche Vorbereitung sowie Gewährleistung eines umfassenden Infektionsschutzes bereits am Donnerstag, 23.04.2020 zu öffnen, ist verantwortungslos gegenüber den Schülerinnen und Schülern, ihren Lehrkräften und den Schulträgern.

Den Schulen nur wenige Tage Vorlauf zu geben, um die Wiederaufnahme des Schulbetriebs zu organisieren, stellt Gelsenkirchen als Schulträger nicht nur vor enorme Herausforderungen, sondern ist fahrlässig. Wichtige Fragen sind noch immer offen, einheitliche Standards Fehlanzeige. Obwohl Lehrerinnen und Lehrer bereits seit Montag, Schülerinnen und Schüler ab Donnerstag wieder in die Schulen kommen sollen, ist nicht verbindlich geklärt, ob an allen Schulen Vorgaben zu Abstandsregelungen eingehalten werden können, wie viele Lehrkräfte aufgrund von Risiken freigestellt werden müssen, welche Hygienemaßnahmen für die Schulen und den Schülerverkehr vorgegeben werden bzw. ob sie auch flächendeckend umgesetzt werden können. Einmal mehr lässt die schwarz-gelbe Landesregierung die Kommunen in der Corona-Krise alleine. Statt sich jetzt auf die Prüfungsvorbereitungen zu konzentrieren, brauchen die Schulen Zeit für pädagogische Konzepte, um ein Unterrichtsangebot ab dem 4. Mai zu ermöglichen.

Dass die Landesregierung die Abwägung der gesundheitlichen Risiken auf die einzelnen Schülerinnen und Schüler abgewälzt hat, ist verantwortungslos und inakzeptabel. Es ist unzumutbar, dass die Schülerinnen und Schüler sich jetzt zwischen Gesundheitsschutz für ihre Familie und Prüfungsvorbereitung in der Schule entscheiden müssen.

Bund und Länder haben in der vergangenen Woche vereinbart, dass die Kultusministerkonferenz ein Konzept bis zum 29. April erarbeitet, nach dem der Schulbetrieb ab 4. Mai schrittweise wiederbeginnen kann. Diese Zeit werden die Schulen auch mindestens brauchen, um sich auf einen Schulbetrieb mit ausreichenden Sicherheitsmaßnahmen gut vorbereiten zu können. Nach diesem Zeitplan würde es alle Beteiligten überfordern, die Abschlussprüfungen in der Sekundarstufe I und für das Abitur in Nordrhein-Westfalen ab dem 12. Mai zu organisieren. Wir Grüne fordern daher, einen gleichwertigen Abschluss auf der Grundlage der Vorleistungen zu vergeben. Eine freiwillige Chancenprüfung, um sich zu verbessern, sollte zusätzlich angeboten werden. Der frühe Beginn der Sommerferien in Nordrhein-Westfalen und der damit verbundene Zeitdruck darf nicht zu einer leichtfertigen Inkaufnahme von Gesundheitsrisiken für die Schülerinnen und Schüler sowie ihrer Lehrkräfte führen.“

„Zudem“, so David Fischer, „erreichte uns Grüne der Hilferuf von Abiturienten verschiedener Schulen unserer Stadt, die aufgrund massiver Mängel bei den aktuellen Zuständen an ihren Schulen bzgl. der Auflagen zum Infektionsschutz in der aktuellen Corona-Krise erhebliche Bedenken haben, ihre Abiturprüfungen durchführen zu können. Sie befürchten in diesem Zusammenhang erhebliche Nachteile gegenüber anderen Abiturienten und sehen große Gefährdungen bei der Wahrung des Gesundheitsschutzes für sich und ihre Angehörigen. Hinzu kommt eine teilweise ungenügende Kommunikation mit den für sie zuständigen Lehrkräften. Bei den betroffenen Schülerinnen und Schülern kommen die versprochenen digitalen Angebote nicht an oder die Lehrkräfte melden sich seit Wochen auf E-Mails der Betroffenen nicht zurück.

Unsere Ratsfraktion hat deshalb dringende Fragen, die der Oberbürgermeister und sein Krisenstab schnell beantwortet müssen, um sicherzugehen, dass die betroffenen Gelsenkirchener Schülerinnen und Schüler auch tatsächlich unter den gleichen Bedingungen ihr Abitur ablegen können wie ihre Mitschülerinnen und Mitschüler in anderen Städten und Schulen Nordrhein-Westfalens.“

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