Roma-Selbstorganisation: Besuch bei SFN in Dortmund

Nachbarschaftskonflikte zwischen Zugewanderten und der im Stadtviertel schon länger lebenden Bevölkerung haben in Gelsenkirchen zugenommen. Bei vielen der „neuen“ Gelsenkirchener*innen handelt es sich um Romni aus Rumänien und Bulgarien. Völlig unterschiedliche Lebenserfahrungen in den Herkunftsländern sowie fehlende Deutschkenntnisse verhindern einfache Konfliktlösungen. Bei uns fehlt bisher eine Selbstorganisation wie bei den anderen Zuwanderergruppen.

Da vergleichbare Probleme in Dortmund schon länger bestehen, gab es dort bereits seit Jahren Unterstützungsprojekte. Der gemeinnützige Planerladen war dabei ein wichtiger Partner für den Aufbau von Gemeinwesenarbeit und Vernetzung mit der Stadtverwaltung und den Institutionen für Beratung und Unterstützung. So hat sich aus der Betreuungsarbeit der Verein SFN gegründet – der Solidaritäts- und Freundschaftsverein der Neuzuwanderer Dortmund e.V. Hier sind überwiegend Bulgar*innen.

Wir waren am Mittwoch, 17. September mit einer größeren Gruppe bei SFN, über 20 Frauen und einige Männer erwarteten uns. Sie erzählten uns von ihren Problemen krimineller Ausbeutung bei der Wohnungsvermietung oder Gelegenheitsarbeit – ähnlich schlecht wie wir das leider auch aus Gelsenkirchen kennen. Aus Betreuungsprojekten bildete sich eine Gruppe, die aktiv Kontakt zu ihren Landsleuten aufnahm, Integration in die deutsche Gesellschaft wollte und für die Teilnahme an Sprachkursen warb. Dieses Empowerment führte 2013 zur Gründung von SFN. Seitdem gibt es ein verlässliches Netzwerk mit der Verwaltung und Berater*innen. Die Teilnahme an Stadtteilfesten hat zu besserer Akzeptanz im Stadtteil geführt. Es war sicher ein Vorteil, dass die Mehrzahl in der Nordstadt wohnen und es so keine weiten Fahrwege gibt. Durch selbstbewussteres Auftreten der Betroffenen konnten die schlimmsten Fälle von Ausbeutung reduziert werden, auch wenn mit Bedrohung und Erpressung dagegen gearbeitet wurde.

Suche und Ermutigung von Konfliktvermittlern aus der eigenen Community, Unterstützung bei der Gründung einer Roma-Selbstorganisation und gute Vernetzung mit Institutionen und Beratern sind die Lehren aus unserem Besuch.

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